Wadim
AUTOREN

Die Geschichte Wadims ist alles andere als ein Wunschfilm, den man sich aussucht. Ein solches Thema bricht über Autoren herein. Im Februar 2010, zwei Wochen nach Wadims Suizid, kontaktierte uns der Anwalt der Familie. Seitdem lässt uns die Tragödie Wadims nicht mehr los. Sie sprengt alles, was wir als Autoren von fast 50 Dokus und Reportagen realisiert haben.

Die PIER 53 Filmproduktion entwickelt und produziert nonfiktionale Formate aus den Bereichen Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Geschichte. Von der Reportage über die Dokumentation und dokumentarische Serie bis zum Dokumentarfilm. In den vergangenen Jahren haben wir mehrere Produktionen zum Thema Migration realisiert, die zu Festivals eingeladen und mehrfach ausgezeichnet wurden. Bei jedem dieser Filme haben wir Menschen in extremen Lebenssituationen begleitet. Doch keiner hat die Tragik, die das Leben Wadims schon früh prägte.

Fast zwei Jahre haben sich die Dreharbeiten und die Postproduktion des Dokumentarfilms hingezogen. Eine Arbeit, die vor allem der Familie Wadims und seinen Freunden sehr viel abverlangte. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals für diesen Einsatz bedanken, für die Kraft, die es insbesondere die Eltern Viktoria und Sergej K. gekostet hat, über Monate mit uns zu drehen und sich wieder und wieder der eigenen Erinnerung auszusetzen.

Dieser Film macht nichts von dem ungeschehen, was passiert ist. Umso mehr hoffen wir, dass die Arbeit nicht ohne Wirkung bleibt. Dass möglichst viele Menschen Notiz davon nehmen, wie es Wadim und seiner Familie in diesem Leben ergangen ist. Gerade weil ihre Geschichte für 87.000 andere Flüchtlinge steht, die noch heute mit einer Duldung in Deutschland leben.


Nachtrag:
Am 08.01.2014 um 08:40 Uhr ist Viktoria K., Wadims Mutter, im Alter von nur 48 Jahren an einer Lungenentzündung verstorben. Wenn ein Mensch stirbt, ist das immer schlimm. Wenn er nach so einem fürchterlichen Leben stirbt, ist der Gedanke daran nur noch grauenhaft.

Seit dem Tod Wadims hat sich Viktoria von Tag zu Tag durch ein Leben gequält, das sie eigentlich nicht mehr leben wollte. Auch gesundheitlich hat sie stark abgebaut. Am Ende war sie zu schwach, um gegen eine schwere Krankheit anzukämpfen.

Mit Viktoria ist ein weiterer Mensch gestorben, dessen Tod in keiner öffentlichen Statistik auftauchen wird, weil die direkten und indirekten Folgen einer inhumanen Asylpolitik in Deutschland nach wie vor kaum Beachtung finden.

Unsere Gedanken sind bei den Überlebenden: bei Viktorias Ehemann Sergej und ihrem jüngeren Sohn Georg.


Carsten Rau und Hauke Wendler




PIER 53 Filmproduktion
NDR
Filmfoerderung Hamburg Schleswig-Holstein
IMPRESSUM
WADIM
12.8.1986 - 20.1.2010